Fast ein halbes Leben – Drei Flüchtlinge in Deutschland erzählen

52 min., 2014, dt. OmU engl., von Rainer Hällfritzsch und Petra Sattler

Werkstatt für interkulturelle Medienarbeit, WIM e.V., Berlin

Der Film ist eine Montage aus neuen (2014) und Aufnahmen aus einem ersten Film (2002*) über die selben ProtagonistInnen. Sie erzählen von den Schrecken der Flucht, den erlittenen Verletzungen, der Angst vor Abschiebung und dem sich Durchbeißen in der „neuen Heimat“: Welche Träume aus dem ersten Film haben sich erfüllt? Wie sicher ist ihr Aufenthaltsstatus nach 12 Jahren in Deutschland?

ZUM FILM: https://vimeo.com/166504395Fasteinhalbes1EbeneYoumna betreibt heute mit ihrer Mutter einen Brautmodenladen in Neukölln und arbeitet außerdem als Make-up Assistentin, um den Familienunterhalt zu sichern. Mit ihrem Status als Geduldete hat sie keinerlei Anspruch auf staatliche Unterstützung. Eigentlich hätte sie gerne Medizin studiert. Auch nach 24 Jahren ist ihr Bleiberecht nicht gesichert. Im Film reflektiert sie ihre Situation und die Missstände deutscher Flüchtlingspolitik.

Jasmina und ihre Familie haben die Schrecken der Flucht erlebt. Ihr Großvater wurde in Srebrenica ermordet, ihr Vater ist traumatisiert. Jasmina hat mit ihrem bosnischen Mann eine Familie gegründet und arbeitet nach ihrer Ausbildung in einem Steuerbüro. Viele ihrer Wünsche haben sich erfüllt. Aber auch sie erhofft sich Veränderungen im Umgang mit Flüchtlingen.

Ayssar ist nach jahrelangem Ringen um einen gesicherten Aufenthaltsstatus mittlerweile deutscher Staatsbürger, trotz seiner gespaltenen Gefühle. Einerseits fühlt er sich von den Deutschen inzwischen akzeptiert. Aber Diskriminierung empfindet er trotzdem. Es mache ihm nur nicht mehr so viel aus wie früher. Er konnte sich einen großen Berufswunsch „Bodyguard“ erfüllen, musste aber nach einem Unfall auf Taxifahrer umsatteln.

* “Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin”

„Almost Half a Lifetime – Three Refugees in Germany Tell Their Stories“

Based on footage from the first film (2002), the second portrays the experiences of three young refugees from Bosnia and the Lebanon who as minors were only given exceptional leave to remain in Germany. It tells of the shock of fleeing one’s home country, the fear of deportation and the struggle to find one’s feet in the ‘new homeland’.

Youmna runs a bridal-wear boutique with her mother. They were forced to earn enough income for the entire family, because with only exceptional leave to remain they were not permitted to claim state benefits. Youmna has given up her wish to study medicine. Her status is still uncertain after 24 years. In the film she reflects on her situation and the shortcomings of Germany refugee policy.

Jasmina describes the losses suffered by her and her family through the war and their escape via Hungary. Her grandfather was murdered in Srebrenica; her father is traumatised. For eight years the family lived in a home, sharing only 24 sq. m. Despite this she hasn’t lost her optimism, but she sees how difficult things were made for them to build up a life here, and she wishes future refugees an easier start.

Ayssar, after very difficult times, has finally achieved his youthful dream of becoming a bodyguard. After struggling for years to obtain a secure residence status, his remarks express his mixed feelings: on the one hand he says that the Germans have accepted him/’us’, on the other he still feels discriminated against.